Eigenverbrauch oder Direktvermarktung?
Eigenverbrauch hat für die meisten PV-Anlagen wirtschaftlich Vorrang: Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart den vollen Bezugspreis, während eingespeister Strom nur die tiefere Einspeisevergütung erzielt. Direktvermarktung wird erst für den Überschuss relevant, der nicht selbst verbraucht werden kann – und lohnt sich vor allem ab einer gewissen Anlagengrösse und mit entsprechender technischer Ausstattung. Die beiden Modelle stehen sich also nicht als Alternative gegenüber, sondern lassen sich sinnvoll kombinieren.
Inhaltsübersicht
Eigenverbrauch: Die Basis jeder wirtschaftlichen Anlage
Eigenverbrauch bedeutet, den produzierten Solarstrom direkt selbst zu nutzen, statt ihn ins Netz einzuspeisen. Wirtschaftlich ist das in aller Regel die attraktivste Option, da die Differenz zwischen Bezugs- und Einspeisepreis meist deutlich zugunsten des Eigenverbrauchs ausfällt: Ein selbst genutzter Kilowattstunde spart den vollen Netzbezugspreis, während dieselbe Kilowattstunde bei Einspeisung nur zur meist tieferen Vergütung führt.
Wie sich der Eigenverbrauch steigern lässt
- Verbrauch zeitlich verschieben: Waschmaschine, Geschirrspüler oder Ladeinfrastruktur gezielt in die Produktionsstunden legen.
- Batteriespeicher: Überschuss aus der Mittagsproduktion für den Abend nutzbar machen.
- Steuerbare Lasten: Boiler oder Wärmepumpe als Puffer für Produktionsspitzen einsetzen.
- ZEV / vZEV: Mehrere Verbraucher in der Nähe der Anlage einbinden, um den Eigenverbrauchsanteil auch über das eigene Gebäude hinaus zu erhöhen.
Wie sich diese Hebel wirtschaftlich kombinieren lassen, zeigen wir auf unserer Seite Vermarktung von Flexibilität.
Direktvermarktung: Wenn Eigenverbrauch allein nicht ausreicht
Direktvermarktung bedeutet, den nicht selbst verbrauchten Solarstrom aktiv am Markt zu verkaufen, statt ihn zum festen Rückliefertarif an den lokalen Netzbetreiber abzugeben. In der Schweiz wird dieses Modell in der Regel ab einer Anlagengrösse von rund 10 kWp wirtschaftlich interessant – bei kleineren Anlagen zehren die Fixkosten des Vermarktungspartners den potenziellen Mehrerlös häufig wieder auf. Kleinere Haushaltsanlagen profitieren daher meist weiterhin vom stabilen, planbaren Rückliefertarif, während grössere Anlagen mit intelligentem Messsystem und entsprechender Bilanzgruppen-Anbindung über Direktvermarktung oder PPA höhere Erlöse erzielen können. Die relevanten Modelle im Detail vergleichen wir auf unserer Seite Energievermarktung / Direktvermarktung.
Technische Voraussetzungen
Für die Teilnahme an der Direktvermarktung braucht es in der Regel ein intelligentes Messsystem (Smart Meter), eine Anbindung an eine Bilanzgruppe sowie einen Vertrag mit einem Vermarktungspartner, der die Fernsteuerbarkeit und Abrechnung übernimmt. Diese Infrastruktur lässt sich auch bei bestehenden Anlagen meist nachrüsten.
Der direkte Vergleich
Kriterium | Eigenverbrauch | Direktvermarktung |
Wirtschaftlicher Hebel | Spart vollen Bezugspreis | Erzielt Marktpreis für Überschuss |
Sinnvoll ab | Jeder Anlagengrösse | Ca. 10 kWp aufwärts |
Technische Voraussetzung | Ggf. Speicher, steuerbare Lasten | Smart Meter, Bilanzgruppen-Anbindung |
Planungssicherheit | Hoch | Abhängig vom gewählten Modell (Markt, PPA) |
Verwaltungsaufwand | Gering | Höher (Vertrag, Anmeldung, Abrechnung) |
Warum diese Entscheidung ab 2027 an Bedeutung gewinnt
Mit der ab 1. Januar 2027 geltenden Umstellung auf den stündlichen Spotmarktpreis verliert die reine Rücklieferung an einfacher Planbarkeit: Die Vergütung schwankt künftig stundengenau statt quartalsweise gemittelt. Das macht sowohl einen höheren Eigenverbrauchsanteil als auch eine aktive Vermarktungsstrategie für den verbleibenden Überschuss wirtschaftlich relevanter als bisher. Wer heute noch unverändert nach dem Prinzip „produzieren, einspeisen, vergüten lassen“ arbeitet, überlässt diesen Effekt weitgehend dem Zufall. Was sich dabei konkret ändert, erklären wir auf der Seite Dynamische Tarife & Einspeiseoptimierung.
Wie Sie zur richtigen Entscheidung kommen
Die Antwort auf „Eigenverbrauch oder Direktvermarktung“ ist in der Praxis fast immer „sowohl als auch, in der richtigen Reihenfolge und Gewichtung“. Drei Fragen helfen bei der Einordnung:
- Wie hoch ist Ihr aktueller Eigenverbrauchsanteil? Ist er noch deutlich ausbaufähig, sollte dieser Hebel zuerst genutzt werden.
- Wie gross ist Ihre Anlage? Ab rund 10 kWp lohnt sich der Blick auf Direktvermarktungsmodelle für den verbleibenden Überschuss.
- Welche Vermarktungsmodelle stehen für den Überschuss zur Verfügung? Grundversorgung, Marktmodell, PPA oder Direktvermarktung unterscheiden sich in Erlösqualität und Planungssicherheit teils erheblich.
Ein einordnendes Beispiel
Ein Landwirtschaftsbetrieb mit einer 60-kWp-Anlage nutzt einen Teil des Solarstroms für den laufenden Betrieb, etwa Kühlung und Bewässerung, produziert aber deutlich mehr, als er selbst verbraucht. Für diesen Betrieb lohnt sich zunächst die Prüfung, ob sich der Eigenverbrauch durch zeitliche Verschiebung einzelner Prozesse noch steigern lässt. Für den verbleibenden, strukturell hohen Überschuss ist die Direktvermarktung oder ein PPA mit einem regionalen Abnehmer meist wirtschaftlich attraktiver als die reine Rücklieferung zum Standardtarif. Ein Einfamilienhaus mit 6 kWp Anlagenleistung und moderatem Überschuss hingegen profitiert in den meisten Fällen stärker von einer weiteren Eigenverbrauchsoptimierung als vom Aufwand einer Direktvermarktung.
Wie PHAESON Sie dabei unterstützt
Wir analysieren Ihr Lastprofil und Ihr Einspeiseverhalten, zeigen auf, welches Potenzial im Eigenverbrauch noch ungenutzt ist, und vergleichen für den verbleibenden Überschuss die relevanten Vermarktungsmodelle – von der Grundversorgung über PPA bis zur Direktvermarktung. Als herstellerunabhängiger Partner vertreten wir dabei ausschliesslich Ihre wirtschaftlichen Interessen.
Fazit
Eigenverbrauch und Direktvermarktung schliessen sich nicht aus, sondern ergänzen sich: Zuerst den Eigenverbrauch ausschöpfen, dann den verbleibenden Überschuss über das wirtschaftlich beste Vermarktungsmodell verwerten. Mit der ab 2027 geltenden dynamischen Vergütung wird diese Kombination zunehmend zur Grundlage einer wirtschaftlich optimierten Anlage.
Wir zeigen Ihnen, wie sich beide Hebel für Ihre konkrete Anlage optimal kombinieren lassen.
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